v.l.n.r.: Klaus v. d. Linden, Heiner Lauff, Theo Angenendt, Heiner Kehlen, Josef Mülders

 

 

 

Beitrag zur Rollgeschwindigkeit unserer Grüns:

Unsere Grüns sind zu langsam ! 
Auf den anderen Plätzen sind die Grüns (immer)  viel schneller!!
Sind unsere Grüns zu langsam ?
Nein!

Sie sind aufgrund der Blüte der einjährigen Wiesenrispe (poa annua) momentan
nur etwas langsamer als sonst.
Es hat nichts mit mangelnder Pflege und schon gar nicht mit irgendwelchen
Schonmaßnahmen für die Grüns zu tun. Das Phänomen der Poa annua Blüte tritt jedes
Jahr im Zeitraum Mai Juni auf. Es ist in diesem Jahr nur etwas intensiver als sonst.
In den letzten vierzehn Tagen haben sich zudem die Folgen der am 06./07. Juni durchgeführten,
für die Grünsgesundheit und Bespielbarkeit unabweisbar notwendigen Aerifizierung mit Hohlspoons
negativ auf Geschwindigkeit, Spurtreue und gleichmäßiges Rollverhalten des Balles ausgewirkt.
Die Grünsgeschwindigkeit war am Montag mit 210 cm ( ca.  Stimp7) und  am Mittwoch mit 225cm (ca. 7,5 Stimp)
gemäß PGA Kriterien für Club Golf mittelschnell bis schnell.

Die Diskussion über die Ballrollgeschwindigkeit auf den Grüns ist vermutlich fast so alt wie das Golfspiel.
Dies ist daher nichts wirklich Neues; nur, die Forderung nach schnelleren Grüns scheint in diesen Tagen
wieder zu zunehmen. Dabei ist die Rollgeschwindigkeit nur eines von mehreren Qualitätsmerkmalen der Grüns;
Spurtreue und möglichst gleichmäßiges Rollverhalten sind von mindestens gleicher Bedeutung.
Aber: Was ist eine schnelle, was ist eine langsame Rollgeschwindigkeit? Wie werden Rollgeschwindigkeiten gemessen,
wie werden sie gewichtet?

Eines vorweg, es gibt selbst im „genormten Deutschland“ keine verbindliche Vorgabe dafür.
Die PGA hat dazu folgende Tabelle veröffentlicht:
Speed (feet, inch)    Club Golf     PGA Tour
Fast     8' 6“    10'6“
Medium fast    7' 6“    9' 6“
Medium    6' 6“    8' 6“
Medium Slow    5' 6“    7' 6“
Slow    4' 6“    6' 6“   
dies entspricht ca.
Geschwindigkeit (in cm) Club Golf              PGA Tour

sehr schnell           über 259                über 320

schnell                228-258                 289-319

mittel                 198-227                 259-288

langsam                 167-197                 228-258

sehr langsam            137-166                198-227

Zur Messung der Rollgeschwindigkeit wird ein Stimpmeter genutzt. Erfunden wurde es 1935 durch Edward Stimpson; daher der Name.
Ein Stimpmeter ist das offiziell anerkannte und von der PGA zugelassene Messgerät zur Ermittlung der Ballgeschwindigkeit
auf Golfgrüns. Es handelt sich dabei um eine v-förmige Schiene aus Aluminium oder Kunststoff mit einem Zapfen oder einer
Einkerbung auf der Oberseite der „Rampe“ zur Fixierung eines Golfballes.
Der Zapfen oder die  Einkerbung hält den eingelegten Golfball zurück, bis die Vorrichtung langsam in einen Winkel
von ca. 20 Grad zur Grünoberfläche gebracht wird. Somit wird gesichert, dass der Ball stets mit der gleichen
Geschwindigkeit die etwa 90 cm lange Schiene entlang und auf das Grün läuft. Nun wird die Distanz vom Ende der
Schiene bis zu jenem Punkt, an dem der Ball zur Ruhe kommt, ermittelt.

Die Messungen erfolgen auf zwei bis drei Grüns auf möglichst ebener Fläche von verschiedenen Punkten und aus verschiedenen
Richtungen. Dabei werden zunächst nacheinander drei Bälle in eine Richtung gerollt, die Lauflängen gemessen und anschließend
ein Durchschnittswert ermittelt. Danach erfolgt die nächste Messung auf die gleiche Art in Gegenrichtung. Zum Schluss wird
aus den Messergebnissen der verschiedenen Grüns ein Gesamtmittelwert errechnet.

Soviel zur objektiven Ballrollgeschwindigkeit. Die Gewichtung ist individuell.
Der Greenkeeper wird sie anders bewerten als der Golfer. Für den Greenkeeper spielt die Auswirkung von Maßnahmen zur
Veränderung der Rollgeschwindigkeit auf die Grasgesundheit eine Rolle. Für den Golfer ist in erster Linie die
Auswirkung auf seinen Score von Bedeutung. Bei den Golfern kommt erschwerend hinzu, das sich für den einen langsamere,
für den anderen schnellere Grüns unterschielich auswirken.


Dabei ist die Rollgeschwindigkeit nur ein Merkmal zur Qualität der Grüns, Spurtreue und möglichst gleichmäßiges Rollverhalten
sind von mindestens gleicher Bedeutung.
Die Ballrollgeschwindigkeit ist von sehr vielen Einzelfaktoren abhängig u.a. von:

- den Bodenverhältnissen
- der Dränwirkung der Grüns und der Abtrocknung
- dem Klima,  Kleinklima und der Witterung
- den Gräserarten und der Dichte des Gräserbestandes
- der Düngung
- den Pflegemaßnahmen
- der Bewässerung
- den Ondulationen
- der Schnitthöhe
- den Unebenheiten
- dem Verhalten der Golfer

Darüber hinaus ist die Spielstärke der Golfer zu berücksichtigen um ein flüssiges Spieltempo zu gewährleisten.
Gute Spieler können mit höheren Ballrollgeschwindigkeiten klarkommen. Die Masse der Golfer kommt eher mit einer moderaten
Ballrollgeschwindigkeit zurecht. 
Die Grünsgeschwindigkeit ist,  wie aus vorstehendem erkennbar, durch äußere, nicht beeinflußbare Gegebenheiten, inhärente,
nur mit erheblichem finanzellen Aufwand veränderbare Faktoren und durch Pflegemaßnahmen bedingt.

Für letzteres sind die finaziellen Möglichkeiten eines Golfclubs zu beachten. Intensivierung / Anpassung der Pflegemaßnahmen
zur Erhöhung der Grünsgeschwindigkeit haben leider negative Folgen. Zusätzlicher Stress der Gräser (Krankheiten) Mehrbedarf
an Personal, Wasser, Dünger und Chemie. Dadurch steigen die Kosten signifikant und vor allem unnötig.

Die Rollgeschwindigkeit ist nämlich, wie eingangs erwähnt, nur ein Merkmal zur Qualität der Grüns. Es ist nicht das kritischste;
auf die Grünsgeschwindigkeit kann man sich einstellen. Darüber sollte man nicht klagen.
Im Gegenteil; Grüns, die an einem Tag diese und an einem anderen Tag eine andere Geschwindigkeit haben sollte man,
wenn Spurtreue und annähernd vergleichbares Rollverhalten gegeben sind,  als sportliche Herausforderung sehen
(Sowie man es macht, wenn man auf anderen Plätzen mit anderen Grüns Geschwindigkeiten spielt)

Gerne wird bei der Bewertung der Qualität eines Golfplatzes darauf verwiesen dass auf anderen Golfplätzen die Grüns schneller
sind.Dass die Ballrollgeschwindigkeiten auf verschiedenen Plätzen unterschiedlich sind ist ein Faktum und der Verweis darauf
nicht zu beanstanden.Problematisch ist nur wenn daraus eine Bewertung wird. Aus vorstehendem ist ersichtlich, dass der Vergleich
mit anderen Golfplätzen nur dann angebracht ist wenn die Bedingungen gleich sind.
Alles andere ist unseriös; Energie und Zeitverschwendung.

Johannes Mermagen

Platzwart

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